Professur für Öffentliches Recht

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Virtuelle Realität als Chance für eine wirklichkeitsnähere Polizeiausbildung

„Können wir vielleicht noch etwas explodieren lassen?“

von Maritt Krebs – Hamburg, 12. Dezember 2025

Viele deutsche und ausländische Polizeieinrichtungen nutzen bereits die Möglichkeiten Virtueller Realität (VR) in der Aus- und Weiterbildung ihrer Polizeibeamt:innen. Und auf den ersten Blick scheint das Potenzial der VR offensichtlich: Einsatzszenarien, die bislang aufwendig und kostenintensiv beispielsweise durch Pappwände, Trainingszimmer und -puppen real reproduziert werden mussten, können nun flexibel, zeitsparend und zudem noch realistischer, etwa unter Einbeziehung vulnerabler Gruppen, gefährlicher Tiere und Substanzen virtuell simuliert und geübt werden. VR verspricht, die Polizeiarbeit schon in Studium und Ausbildung praktischer und erfahrbarer zu machen und damit eine der seit jeher größten Herausforderungen der Polizeiausbildung zu lösen: die Verbindung von Theorie und Praxis. Doch mit der technischen Entwicklung mehren sich auch kritische Stimmen, die insbesondere die hohen Kosten der Technik, den Personalaufwand oder auch das didaktische Potenzial von VR in Frage stellen. Macht die virtuelle Realität die Polizeiausbildung tatsächlich realistischer, praxisnäher und in diesem Sinne besser? Oder ist sie eine innovationsleere Technisierung oder allenfalls eine reine Spielerei?
Diese und viele weiteren Fragen standen im Mittelpunkt der Gesprächsrunde „Zwischen Schein und Wirklichkeit: Virtuelle Realität in Studium, Aus- und Weiterbildung der Polizei“ am 3. Dezember 2025. Mit Markus Murtinger, Head of Competence Unit Experience Business Transformation am Austrian Institute of Technology, konnte das Netzwerk Digitale Polizei (NetDigPol) einen international ausgewiesenen Experten für die VR-basierte Polizeiausbildung begrüßen. Insbesondere als Leiter des europäischen Forschungs- und Innovationsprojekts SHOTPROS, bei dem er mit der leider kurzfristig verhinderten Dr. Laura Voigt (Psychologisches Institut, Deutsche Sporthochschule Köln) zusammenarbeitet, steht Markus Murtinger für Fragen der Theorie von VR und deren praktischer Umsetzung gleichermaßen. Unter der Moderation von Prof. Eike Richter (Leitung des NetDigPol) betonte Markus Murtinger, wie wichtig es ist, zwischen den verschiedenen Arten des VR-Einsatzes zu differenzieren. Häufig beherrschten die komplexen und actionreichen („Können wir vielleicht noch etwas explodieren lassen?“) Einsatztrainingsprogramme die mediale Berichterstattung. Mehr Aufmerksamkeit verdienten jedoch die einfacheren und nüchternen Konzepte, die den Lernstoff im Hörsaal oder im Selbststudium anschaulicher und anfassbarer machen könnten und dabei regelmäßig weitaus kosten- und ressourcenschonender und effizienter seien. Wichtig sei – so Markus Murtinger – in jedem Fall, dass Klarheit über das jeweilige Lernziel besteht und das Szenario-Design an die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen angepasst wird. Dies sei keine Frage der Technik, sondern der fachlichen Inhalte und der Didaktik. Auch inwiefern dabei VR-bedingtes Unwohlsein („Motion Sickness“), Pfadabhängigkeiten und Persönlichkeits- und Datenschutz eine Rolle spielen und spielen sollten, wurde in der Gesprächsrunde erörtert, die durch die zahlreichen, fachkundigen und auch kontroversen Beiträge aus dem Publikum sehr bereichert wurde. In einem wurde man sich schnell einig: um das Potenzial der VR für die Polizeiausbildung zu praktisch entfalten, sollte man sich nicht von den technischen Möglichkeiten leiten lassen, sondern stets die eigenen Lernziele und -bedürfnisse sowie die organisatorischen, personellen und ressourcenbezogenen Rahmenbedingungen im Blick behalten.

v.l.n.r. Markus Murtinger (AIT), Prof. Eike Richter (NetDigPol)
v.l.n.r. Markus Murtinger (AIT), Prof. Eike Richter (NetDigPol)
Professur für Öffentliches Recht

Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg
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